Lage und Standort: 200m nach dem Ortsschild Richtung Weilbach, Flur 31 Flurstück 21/3, Ausrichtung Nordwest,
Koordinaten: N 50° 03.894‘; E 8° 26.121‘inaten: N 50° 03.624‘; E 8° 26.658‘
Form/Stilrichtung: Spätbarock
Material: Roter Mainsandstein, Bildhauerqualität
Aufnahmen von Joachim Janz 1972
Schlankes hohes Postament mit ausgeprägtem geschwungenem Fuß.
Der Sockelaufsatz dagegen wirkt plump und unproportioniert. Er stimmt mit der Formensprache des Postaments nicht überein. Ein Vergleich mit alten Fotos, siehe oben, ergab, dass der Sockelaufsatz und das Kreuz erneuert wurden. Das alte Kreuz trug einen steinernen Korpus und eine vorgesetzte Marienfigur. Das neue Kreuz trägt nur noch einen steinernen Korpus. Die Renovierung ist leider stilistisch nicht gelungen.
Weitere Details, siehe Broschüre Sandsteinkreuze 2020 von Josef Noll.
Eigentümer: ist dem Verein für Heimatgeschichte Marxheim e.V. bekannt.
Zeitgeschehen in der Region:
Regierung:
Kurfürst und Erzbischof von Mainz Emmerich Joseph Freiherr von Breidbach zu Bürresheim (*12. November 1707 in Koblenz; † 11. Juni 1774 in Mainz)
Nachfolger:
Friedrich Karl Joseph Reichsfreiherr von Erthal (* 3. Januar 1719 in Mainz; † 25. Juli 1802 in Aschaffenburg)
1774 gab es in Mainz die letzte große Pockenepidemie. In den Jahren zwischen 1770 und 1774 kam es im ganzen Reich und auch im Kurfürstentum Mainz zu Ernteausfällen und somit zu großen Hungersnöten. Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Emmerich Joseph ließ große Mengen an Getreide aus Polen über den Seeweg und den Rhein nach Mainz bringen, um in seinem Land eine Hungersnot abzuwenden. Der beliebte Kurfürst und Erzbischof Emmerich Joseph Freiherr von Breidbach zu Bürresheim stirbt am 11. Juni 1774 in Mainz. Auch aus diesen Ereignissen könnte sich ein Stiftungsgrund herleiten lassen, was aber eher unwahrscheinlich ist. Denn in den Marxheimer Kirchenbüchern konnte für das Jahr 1774 keine erhöhte Sterblichkeit, besonders von Kindern, festgestellt werden. So ist anzunehmen, dass die Pocken nicht in Marxheim grassierten.
Im Marxheimer Gerichtsactuarium gab es für den Zeitraum 1770-1774 auch keine Eintragungen, die auf einen Notstand schließen lassen.
So könnte dieses Kreuz auch eine Votivgabe sein, als Dank, dass diese Katastrophen an der Familie und der Gemeinde vorbeigegangen sind.
Inschrift:
O IHR ALLE DIE IHR DEN WEEG FURBEI GEHET MERKET DIES UND SEHET OB AUCH EIN SCHMERTZ SEY DER MEINEM SCHMERZEN GLEICH WÄRE.
Jakob SCHNATZ und Catharina DESSEN HAUSFRAU IN MARXHEIM 1774
Text aus:
Die Klagelieder, erstes Klagelied 1,12.
Foto: Hans Colloseus
Die Menschen/Stifter:
Aus den Marxheimer Kirchenbücher konnten folgende Informationen über die Personen ermittelt werden:
Johannes Jakob Schnatz, geb. 20. Juni 1738, gest. 14. Dezember 1813, Beruf. Ackersmann und Schöffe zu Marxheim 75 Jahre
Catharina Grossmann, geb. 11. Februar 1744, gest. 18. Januar 1807, Hausfrau, 62 Jahre
Heirat: 15 Oktober 1764
Das Ehepaar hatte sieben Kinder, die alle das übliche Erwachsenenalter erreichten.
Als das Kreuz errichtet wurde, war Johannes Jakob 36 Jahre, seine Ehefrau Catharina 30 Jahre alt. Das Ehepaar war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre verheiratet.
Auch für diese Familie gibt es in den Kirchenbüchern keine auffälligen Hinweise.
Der Stiftungsgrund könnte somit der zehnte Hochzeitstag des Paars gewesen sein.
Auszüge aus den Marxheimer Kirchenbüchern
Auszug Hochzeiten:
Matrimonium in facie ecclesia contraxit honestus adolescens Joes Jacoby Schnatz, Reinhardi Schnatz et Anna Maria conj. pp: mm: filius legiti cum pudica virgine Catharina Grosmanin, Jois Georgii Grosman et Catharina pm: conj: filia legit.
conj. = Conjuges (ehelich, Eheleute)
mm = momentum matrimonium (Bedeutung der Ehe),
pp = per procura = in Vollmacht
pm = post meridiem (nachmittags)
Die Ehe im Angesicht der Kirche schlossen heute am Nachmittag der ehrenwerte Jungmann Johann Jacobi Schnatz, ehelicher Sohn von Reinhard und Anna Maria Schnatz mit der keuschen Jungfrau Catharina Grosmanin, eheliche Tochter von Johann Georg und Catharina Grosman.
Auszug Totenbuch für Johann Jakob:
Jacobus Schnatz incola et viduus hujsoitis, moribundorum hh tis rite munitus 78 annorum pius et multa fundaris devotiones in hujuter culesiar etatuj
Jacob Schnatz, 78 Jahre alt, Witwer und Einwohner dieser Stadt, ist heute wohlbehütet gestorben. Er war ein frommer Mann und hat in dieser Stadt viele Andachten gestiftet.
Auszug Totenbuch für Catharina:
obiit Catharina Jacobi Schnatz uxor aetatis 63 Ann: rite provisa
Catharina, Ehefrau von Jacob Schnatz, ist im Alter von 63 Jahren, ordnungsgemäß versorgt, gestorben.

